Eine Einladung in das Heim des Fotografen Jon Gorospe in Oslo

Online gestellt am September 22. 2016

Stühle

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An Invitation to Photographer Jon Gorospe’s Oslo home

Eine Einladung in das Heim des Fotografen Jon Gorospe in Oslo

Jon Gorospe ist ein spanischer Fotograf/Videofilmer, der in Oslo lebt.

An einem warmen Spätsommermorgen im August gehe ich eine kurvige Straße entlang, die hoch nach St. Hanshaugen führt, ein schönes Wohngebiet in Oslo. Die Umgebung ist idyllisch und die Häuser sind mit grünem Blattwerk bewachsen. St. Hanshaugen ist für seine schönen Parks und die klassischen Gebäude mit Blick auf die Stadt bekannt. Mehrfamilienhäuser und Villen liegen eingebettet zwischen ehemaligen Weideflächen, die sich heute als Stadtparks mit wundervoller Aussicht präsentieren. Ich stehe vor einem klassischen Gebäude mit imposanten, schweren Holztüren. Jon taucht aus einem Seiteneingang des Gebäudes auf. Er lächelt, als er mich durch eine kleinere Tür über lange, gewundene Treppen in die oberste Etage führt. Ich bin gekommen, um den Fotografen etwas besser kennenzulernen und mich mit ihm über unsere gemeinsame Wertschätzung einer unprätentiösen, norwegischen Designikone auszutauschen: den Variable balans, der in den 1970er Jahren von Peter Opsvik entworfen wurde. Er kocht eine Tasse Kaffee für mich – ich habe etwas Kuchen und Gebäck aus einem der örtlichen Cafés mitgebracht.

 

Sie besitzen ein Vintage-Modell eines Variable balans. Erzählen Sie mir doch bitte, wie dieser Stuhl zu Ihrem Arbeitsstuhl wurde?

JG: Zu meinen Studienzeiten war er (der Variable balans) ein Art Traumstuhl für mich. Während meines Studiums war er allerdings unerreichbar für mich. Wie Sie sich vorstellen können, hat man (als Student) kein Geld. Ich habe Kunst studiert. Ich erinnere mich, dass eine meiner Design-Professorinnen einen Variable balans besaß. Sie sagte immer zu mir: „Wenn du ihn ausprobieren möchtest, kann ich dir den Stuhl einmal ausleihen“ ...   Für mich hat der Stuhl das perfekte Design und ich wollte wirklich gerne einen besitzen. Aber ich musste warten, bis ich eines Tages mehr Geld hätte. Die Jahre vergingen, und ich zog nach Norwegen. Ich hatte nicht vergessen, dass ich den Stuhl kaufen wollte. Da ich mittlerweile berufstätig war, hatte ich etwas mehr Geld zur Verfügung. Eines Tages spazierte ich über einen „loppemarked“ (Flohmarkt) – ich kaufe gerne Vintage-Objekte ...

Er deutet in seiner Wohnung umher, in der es überall herrliche Kuriositäten und Vintage-Funde zu entdecken gibt.

...   Ich ging also über den Flohmarkt in GrunerMka (ein trendiger Stadtteil von Oslo) und dort, inmitten einer ganzen Menge an Stühlen, entdeckte ich den Variable balans. Ich erinnere mich noch, dass es leicht regnete. Ich rannte zu dem Stuhl hin, schnappte ihn mir und warf einen Blick auf die Metallplatte auf der Rückseite – Volltreffer! Das ist mein Stuhl!
Ich habe ihn dort gefunden und gekauft, und jetzt ist er hier. Mein Stuhl.

 

Gorospe führt mich durch die Wohnung, in der er gemeinsam mit seiner italienischen Freundin lebt. Ein Studiobereich mit leuchtend rosa gefliestem Boden erregt meine Aufmerksamkeit. Das Dach ist abgeschrägt und man kann die Trägerbalken aus Holz sehen. Auf der anderen Seite des Raumes hat Gorospe sein Home Office eingerichtet. Unter dem Schreibtisch entdecke ich seinen Stuhl: Vor so vielen Jahren angefertigt und immer noch schön. Ich frage Gorospe, warum er den Stuhl so sehr mag.

JG: Meine Mutter nannte mich „culo inquieto“ was wörtlich übersetzt „rastloser Po“ bedeutet. Ich konnte nie still sitzen. Und jetzt muss ich das auch nicht mehr.

Ich lache.

 

Ich frage ihn nach seiner Arbeit.

Gorospe arbeitet beruflich mit Videoformaten, und das gefällt ihm so gut, dass er diese Technik jetzt auch in seine anderen kreativen Tätigkeiten integriert. Er hat seine Arbeiten weltweit ausgestellt und ist hauptsächlich als Kunstfotograf bekannt. In seinem Zuhause spiegelt sich seine Persönlichkeit in vielerlei Hinsicht. Die Atmosphäre ist warm und freundlich und die Objekte, die ihn umgeben, sind sorgfältig ausgewählt. Einige seiner denkwürdigsten Arbeiten stammen aus einer Fotoausstellung mit dem Titel „Almost Black“. Die poetischen, dunklen Fotografien zeigen Szenen, die in Dunkelheit getaucht sind. Die Bilder sind so dunkel, dass man nur eine Silhouette des Objekts sehen kann.

Seine Fotografien mögen dunkel und etwas beunruhigend sein – aber ich verlasse das Heim von Gorospe mit einem Gefühl der Wärme.

http://www.jongorospe.com/

- Ingrid Holm


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